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Interview mit Uwe Kamps: "Naturrasen ist unser Teppich"

Seit fast 30 Jahren schmeißt sich Uwe Kamps für Borussia Mönchengladbach auf den Rasen: Erst in 390 Bundesliga-Spielen, dann als Torwarttrainer. FUSSBALLRASEN.COM verriet der Routinier seine Erfahrungen auf Kunstrasen, seine Skrupel beim Hinwerfen und seine Vorliebe, "auch mal im Matsch wühlen zu können."

Interview mit Uwe Kamps: "Naturrasen ist unser Teppich"

Interview mit Uwe Kamps

fussballrasen.com: Die Gretchenfrage gleich zu Beginn: Kunst- oder Naturrasen?

Uwe Kamps: Ganz klar Naturrasen. Für die wichtigen Spiele sowieso, aber auch für die unteren Ligen.

fussballrasen.com: Warum?

Kamps: Naturrasen ist unser Untergrund, unser Teppich. Dort passieren viele unvorhergesehene Dinge, die das Spiel erst interessant machen. Echter Rasen hat auch einmal eine Delle, das Spiel wird unberechenbar, die Akteure benötigen Flexibilität und technischen Fähigkeiten.

fussballrasen.com: Gerade ein Torhüter sollte verspringende Bälle doch eher scheuen…

Kamps: Mit einer guten Ausbildung kann man auch schwierige Situationen lösen. Es wäre doch uninteressant immer zu wissen, wie der Ball kommt und was passiert. So ist Fußball, und Fußball ist auf diese Art groß geworden.

fussballrasen.com: Ist das Spiel auf Kunstrasen denn wirklich anders?

Kamps: Es ist schon ein anderes Gefühl. Der Ball nimmt weniger Fahrt auf, er springt anders. Mir gefällt das nicht. Man muss auch mal im Matsch wühlen können. Das macht den Fußball doch aus.

fussballrasen.com: Viele Mütter finden es aber toll, wenn die Kinder mit sauberen Trikots nach Hause kommen.

Kamps: Aber die schwitzen doch auch - gewaschen werden muss also so oder so.

fussballrasen.com: Torhüter werfen sich gerne hin. Auch auf Kunstrasen?

Kamps: Ich jedenfalls habe vom Kopf her ein Problem damit. Da kann der Kunstrasen noch so gut sein. Selbst im Sommer spiele ich dann nur mit langer Hose.

fussballrasen.com: Wann aber macht Kunstrasen Sinn?

Kamps: Sicher bei kleineren Vereinen. Wenn auf dem Platz 10 oder15 Mannschaften trainieren müssen, dann kann das ein normaler Rasen nicht schaffen. Kunstrasen ist eine gute Sache, um den Naturrasen zu schonen und den Trainingsbetrieb auch bei schlechtem Wetter aufrecht zu erhalten. Aber doch nicht für Bundesligaspiele. Da ginge diesem Sport viel Flair verloren.

fussballrasen.com: Ab und an weichen Sie also schon aus?

Kamps: Nur im Notfall, wenn die Heizung den Schnee nicht packt und der Kunstrasen besser geräumt werden kann. Dann kann man das machen. Aber wenn ich eine Stunde auf Kunstrasen trainiert habe, merke ich das am nächsten Tag schon in den Beinen.

fussballsrasen.com: Es gibt Studien, die von keinem höheren Verletzungsrisiko ausgehen.

Kamps: Ich kenne diese Untersuchungen nicht, daher kann ich dazu nicht viel sagen. Ich habe jedenfalls ein besseres Gefühl auf normalen Rasen. Natürlich rutscht man auch mal weg, oder ein Stück Boden löst sich. Aber beim Kunstrasen rutscht man genauso über das Granulat. Und es besteht immer die Gefahr, irgendwo hängen zu bleiben.

fussballrasen.com: Wie verhält sich Kunstrasen im Sommer?

Kamps: Dann kocht der Rasen förmlich. Wenn die Sonne knallt, ist die Hitze auf dem Platz der pure Wahnsinn. Das ist sicher ein weiterer Punkt, der für Naturrasen spricht.

fussballrasen.com: Ihr Torwart-Kollege Martin Pieckenhagen soll in Almelo mit dem Kunstrasen durchaus zufrieden sein.

Kamps: Ich habe gehört, dass der Rasen dort regelmäßig ausgetauscht werden muss, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Diese Plätze halten also auch nicht ewig. Für Almelo ist es aber sicher ein Vorteil.

fussballrasen.com: Gar eine Wettbewerbsverzerrung?

Kamps: Das würde ich nicht sagen - schließlich ist es ja erlaubt. Aber komisch ist es schon, wenn alle anderen Mannschaften Rasenplätze haben.

fussballrasen.com: Wird es jemals Bundesligaspiele auf Kunstrasen geben?

Kamps: Ich hoffe nicht. Es gibt sicher Länder, in denen das Sinn macht, ob in Sibirien oder Russland. Das sind aber Ausnahmen. Bei uns sehe ich die Notwendigkeit einfach nicht. Wo es möglich ist, sollte man den Naturrasen erhalten. Das ist einfach Fußball.
 

Spieler-Zitat
Ulf Kirsten
Je nach Witterung ist Kunstrasen im Trainingsbetrieb sicherlich eine Alternative. Bei Spielen würde ich lieber darauf verzichten, es sei denn, es wird irgendwann das ideale Material produziert.
Quelle: Stadionwelt Nr.9
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